Caracas (dpa) l Bei neuen Massenprotesten im krisengeschüttelten Venezuela sind drei weitere Menschen getötet worden. Damit sind dem blutigen Machtkampf seit Anfang April schon 25 Menschen zum Opfer gefallen. Wie der Volksbeauftragte der Regierung, Tarek William Saab, in einem Interview mitteilte, starb in der Stadt Mérida ein Mitarbeiter der örtlichen Verwaltung durch einen Schuss in den Hals, zwei weitere Personen starben in der Stadt Barinas. Regierung und Opposition gaben sich gegenseitig die Schuld für die Eskalation.

Im Land mit den größten Ölreserven gehen seit Wochen Hunderttausende für Neuwahlen auf die Straße. Aber es gibt auch viele Demonstrationen für Präsident Nicolás Maduro von Anhängern der Sozialisten. Maduro nennt den gefallenen Ölpreis als Grund für die dramatische Versorgungskrise im ganzen Land. Seit Ausbruch der Proteste Anfang April, die sich vor allem an der zeitweisen Entmachtung des Parlaments durch den Obersten Gerichtshof entzündet hatten, starben mindestens 13 Menschen bei Demonstrationen, 12 bei Unruhen und Plünderungen.

In der Hauptstadt Caracas verlief eine Massenkundgebung am Montag dagegen friedlicher als bisherige Märsche, die oft in einem massiven Einsatz von Tränengas endeten. Die Opposition, die die Mehrheit im Parlament hat, fordert freie Wahlen, die Freilassung von politischen Gefangenen, eine Achtung des von ihr dominierten Parlaments und eine bessere Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Medizin.

Das Land leidet unter Hyperinflation und Devisenmangel – es steht am Rande der Pleite. Die Goldreserven wurden bereits mehr als halbiert, um an Devisen zur Bedienung der Auslandsschulden und Importe von Medikamenten und Nahrung zu kommen. Antibiotika, Diabetes- und Epilepsiemedikamente gibt es fast nirgendwo mehr. Angehörige müssen für Kinder in Krankenhäusern vielerorts Sauerstoff und Medizin selbst kaufen.