Berlin (dpa) - Lineare Gleichungen lösen, Dreisatz aufstellen, Algorithmen berechnen - einfach langweilig und grauenhaft. Warum ausgerechnet Mathematik in der Schule? Die meisten hassen es, selbst wenn sie darin gar nicht so schlecht sind.

Wie Schüler, Eltern und Wissenschaftler dieses Thema sehen, kann das TV-Publikum an diesem Mittwoch (22.40 Uhr) in der Arte-Dokumentation "Wie ich Mathe gehasst hab'!" verfolgen.

Das meiste von dem, was man im Mathematikunterricht an der Schule lernt, wird im späteren Leben kaum wirklich gebraucht werden, weil es vielen zu abstrakt und alltagsfern erscheint. So sehen das die meisten Schüler - und dennoch führt kein Weg daran vorbei, denn schließlich soll die Mathematik ja dabei helfen, die komplexe Welt besser zu verstehen. Doch werden die meisten Mathematiker weithin für fantasielose und realitätsferne Menschen gehalten, für nüchterne Nerds sogar, denen das viele Denken aufs Gemüt schlägt - von der fehlenden Kreativität ganz zu schweigen. Angeblich fehlt ihnen das Gespür für das Sinnliche im Leben.

Ob das auch wirklich so ist, will der Autor Olivier Peyon (48) in seinem Film darlegen - und so versucht er herauszufinden, warum die allgemein vorherrschende Mathematikverdrossenheit so groß ist. Dafür begleitet er einen Lehrer bei seinem Unterricht im Mathematik-Vorstudium und zeigt dessen teilweise recht ungewöhnliche Lehrmethoden. Dabei wird deutlich, dass die größte Herausforderung neben dem Verständnis der Mathematik darin besteht, sie lehren, weitergeben und mit anderen teilen zu können.

Zudem stattet er dem Forscher Cédric Villani einen Besuch ab, dessen Forschung (Beweise zur nichtlinearen Landau-Dämpfung und der Gleichgewichtskonvergenz der Boltzmann-Gleichung) 2010 mit der renommierten Fields-Medaille ausgezeichnet wurde. Er sagt im Film: "Zugleich streng und erfindungsreich, abstrakt und universal, diskriminierend und demokratisch, alt und im ständigen Wandel, scheu und sozial, schwierig und kinderleicht - alles das ist Mathematik."

Klingt verlockend - doch die Realität sieht anders aus. Peyon führt zahlreiche Interviews mit Mathematikern und Schülern, die die Problematik eines zumeist langweiligen Matheunterrichts recht anschaulich darstellen. Gleichzeitig wird deutlich, wie weit die Welt der Mathematiker von den Eindrücken der Schüler entfernt ist. Natürlich ist auch sie den Wandlungen der Zeit unterworfen, und so muss auch der Mathematikunterricht immer neu angepasst werden, damit die Schüler nicht wie die Kaninchen vor der Schlange sitzen.

Martin Greuel, der ehemalige Direktor des Mathematischen Forschungsinstitutes in Oberwolfach (Baden-Württemberg), sagt im Film: "Wir bieten den Mathematikern aus aller Welt eine Zuflucht. Während ihrer Treffen können sie sich intensiv mit ihren Themenfeldern beschäftigen, bis tief in die Nacht hinein." Dabei geht es dann schon auch um das legendäre Oberwolfach-Problem: Wie bekommt man es hin, dass jeder Tagungsteilnehmer bei den Mahlzeiten wirklich nur ein einziges Mal in der Nachbarschaft eines jeden anderen sitzen soll?

Diese spannende und witzige Aufgabe (die einzige im Film) kann hier leider nicht gelöst werden - und viel mehr Sympathie für die Mathematik vermag der ausgesprochen textlastige und staubtrockene Film auch nicht zu wecken. Es wird nicht nur sehr viel geredet, sondern auch ziemlich abstrakt, so dass viele Passagen für den normalen Zuschauer kaum nachvollziehbar sind. Und das ist dann schon recht anstrengend - zumal der Film 100 Minuten lang ist.

Wie ich Mathe gehasst hab'!