Moped-Führerschein ab 15

Bundesländer: Das Pilotprojekt läuft seit 2013 in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen und seit April zusätzlich in Brandenburg. Der Führerschein der Klasse AM (Kleinkrafträder, Mopeds und vierrädrige Leichtfahrzeuge; Höchstgeschwindigkeit 45 km/h) ab 15 ist nur innerhalb dieser Bundesländer gültig.

Reichweite: Wer als 15-Jähriger außerhalb dieser Bundesländer fährt, begeht eine Straftat wegen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Mit dem 16. Geburtstag bekommen die Teilnehmer einen EU-weit geltenden Führerschein der Klasse AM ausgehändigt.

Anmeldung: In der Fahrschule anmelden können Jugendliche sich schon ab 14,5 Jahren, so dass sie rechtzeitig zu Beginn des 15. Lebensjahres die Prüfbescheinigung besitzen.

Ausbildung: 14 Lektionen theoretischer Unterricht, für die Praxisausbildung gibt es keine festgelegte Zahl an Mindeststunden.

Kosten: Teurer Spaß: Je nach Anzahl an Praxisstunden kostet der Führerschein Klasse AM etwa 800 Euro, zusätzlich kommt eine Prüfungsgebühr von etwa 100 Euro hinzu.

Modellprojekt: Ende des Jahres wird ausgewertet, ob das Mindestalter für den Führerschein Klasse AM bundesweit auf 15 Jahre abgesenkt wird.

Magdeburg l Erst, wenn Till Habelmann die Klappe von seinem Schutzhelm nach oben schiebt und sein Gesicht erscheint, kommt der Gedanke: Der ist ja noch ganz schön jung. Denn der 1,90 Meter große Jugendliche in Motorrad-Schutzkleidung aus Leder ist erst 15 Jahre alt. Der Gymnasiast aus Magdeburg nimmt an dem Modellprojekt „Moped mit 15“ teil, seinen „Lappen“ hat er nach bestandener Prüfung seit Freitag in der Tasche.

Tills Fahrlehrer Dieter Gattschau von der Magdeburger „Sunny“-Fahrschule ist bereits seit über 40 Jahren im Geschäft und hat seit Projektbeginn 2013 schon viele 15-Jährige auf den Führerschein vorbereitet. „Vor allem bei interessierten Jugendlichen wie Till sehe ich kein Problem damit, frühzeitig im Verkehr unterwegs zu sein“, sagt er.

Mit den Fahrern steigen Unfallzahlen

Ähnlich sieht das Verkehrsminister Thomas Webel (CDU). Er spricht aus Eigenerfahrung. Webel selbst hat zu DDR-Zeiten seinen Moped-Führerschein mit 15 erworben und findet: „Was ich mit 15 konnte, traue ich den Jugendlichen von heute auch zu.“ Auch ist er davon überzeugt, dass die jungen Leute durch eine frühe Beteiligung im Straßenverkehr langfristig sicherer unterwegs sind.

Mit dem Moped dürfen Jugendliche bereits 45 Kilometer pro Stunde (km/h) fahren, mit dem Mofa nur 25. Dafür müssen die Jugendlichen für den Moped-Schein neben dem praktischen Training auch 14 Theoriestunden und eine 30-minütige praktische Prüfung absolvieren. Mit dem Mofa sind es sechs Theoriestunden, eine praktische Prüfung fällt hier weg. Webel: „Ich halte es für sinnvoller, dass die jungen Leute mit 45 km/h unterwegs sind und eine Prüfung abgelegt haben, als dass sie 25 km/h ohne Prüfung auf dem Mofa fahren.“

Dass die Unfälle von 15-jährigen Moped-Fahrern seit Projektbeginn jährlich steigen (von fünf im Jahr 2013 auf 77 im Jahr 2016), relativiert sich für den Verkehrsminister durch die ebenfalls stark gestiegene Anzahl an Moped-Fahrern. Denn vor dem Projekt haben noch etwa 100 Jugendliche in Sachsen-Anhalt jährlich den Schein ab 16 Jahren gemacht. Heute sind es insgesamt fast 20-mal so viele, die die Prüfung zum Moped-Führerschein ablegen. „Da ist es klar, dass auch die Zahl der Unfälle steigt“, so Webel. Tödlich verunglückt ist seit Projektbeginn laut Innenministerium noch kein 15-jähriger Mopedfahrer in Sachsen-Anhalt.

Anders schätzt Wulf Hoffmann, Vizepräsident der Landesverkehrswacht, die Gefahr ein. Für ihn ist jeder Verletzte einer zu viel. „Schließlich wären die zusätzlichen Unfälle ohne das Projekt nicht passiert“, sagt er.

Führerschein steigert Eigenverantwortung

Ähnlich argumentieren die Grünen im benachbarten Bundesland Thüringen. Sie kritisieren, dass die Gefahren des Modellprojektes heruntergespielt werden. Cornelia Lüddemann, verkehrspolitische Sprecherin und Fraktionsvorsitzende der Grünen in Sachsen-Anhalt, sieht das nicht so. Sie sagt: „Der Moped-Schein ab 15 stärkt die Eigenverantwortung der jungen Menschen.“ Auch Fahrlehrer Dieter Gattschau sieht die langfristigen Vorteile. „Von uns Fahrlehrern wird das Projekt unter anderem deshalb begrüßt, weil die Fahrschüler so bereits in jungen Jahren die Verkehrsregeln kennen und Praxiserfahrung sammeln“, sagt er. Denn wenn die Jugendlichen zurückkommen, um den Auto- oder Motorradführerschein zu machen, haben sie bereits ein Gefühl für Geschwindigkeit, so der Fahrlehrer.

Auch für Neu-Mopedfahrer Till soll es nicht beim Moped-Führerschein bleiben. Denn ihm geht es um viel mehr, als um Mobilität. Er hat ein Vorbild, dem er nacheifert. „Mein Vater fährt Motorrad, das will ich später auch können“, erzählt der Gymnasiast. Der Klassiker unter den Motorrad-Songs „Born to be wild“ trifft noch nicht ganz auf ihn zu, Till ist aber auf dem besten Weg dorthin – gewissermaßen „born to be Moped“. Sein Fahrzeug – eine alte Schwalbe – steht schon in der Garage bereit, zu Pfingsten darf Till sie endlich fahren.

Keine Angst vor Unfällen

Das wird er zunächst noch in Begleitung seines Papas tun. Denn Angst vor Unfällen hat der Schüler nicht, trotzdem hat er großen Respekt vor dem Straßenverkehr. „Im Stadtverkehr muss ich mich noch sehr konzentrieren“, sagt er.

Ob Sachsen-Anhalts 15-Jährige auch ab April 2018 noch den Moped-Führerschein erwerben können, wird endgültig Ende des Jahres entschieden. Denn die Fortsetzung des Projektes hängt von der Auswertung durch die Bundesanstalt für Straßenwesen ab.