150 Millionen für Forschungs-Infrastruktur

Magdeburg (dpa) l Ob Autobranche oder neue Kunststoffe: Sachsen-Anhalts Unternehmen sollen künftig enger mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Bis 2020 investiert das Land dafür rund 150 Millionen Euro in den Ausbau der Forschungsinfrastruktur, wie Wirtschaftsminister Armin Willingmann am Mittwoch in Magdeburg ankündigte. Ziel sei, eine Infrastruktur zu schaffen, auf die kleine und mittlere Unternehmen bei Forschungsprojekten zurückgreifen können, sagte der SPD-Politiker.

Es geht vor allem um Fördermittel aus dem EU-Strukturfonds. Mit rund 85 Millionen Euro stammt der Großteil des Geldes aus Brüssel. Das Land beteiligt sich mit 48 Millionen, der Bund mit 13 Millionen Euro. Die aktuelle Förderperiode der EU dauert noch bis 2020 und ist etwa zur Hälfte verstrichen – passiert sei bislang zu wenig, sagte Willingmann. Neben Verzögerungen im Land sei auch von Seiten der EU das Geld nicht sofort zur Verfügung gestellt worden. Forschungsförderung werde jedoch von den Universitäten stark nachgefragt. "Die haben immer etwas in der Schublade."

Bei der Förderung sollen Schwerpunkte gesetzt werden. "Es hat keinen Zweck, mit der Gießkanne zu arbeiten", sagte Willingmann. Im Zentrum stehen zwei Projekte. So soll an der Universität Magdeburg ein Forschungs- und Entwicklungszentrum im Automobilbereich entstehen. Dort erhofft sich das Land Innovationen im Bereich Elektromobilität. In dem Zentrum sollen Unternehmen zudem die Möglichkeit haben, Produkte in der Praxis auf einem Prüfstand zu testen.

Erweiterung bei Fraunhofer

Zweites großes Projekt ist die Erweiterung des Fraunhofer-Pilotanlagenzentrums für Polymersynthese in Schkopau im Saalekreis. Dort werden neue Kunststoffe erforscht – es geht vor allem um die Frage, wie sich solche Stoffe wirtschaftlich in höheren Stückzahlen produzieren lassen. In Magdeburg und Schkopau sollen durch die Investitionen mehr als 100 Arbeitsplätze entstehen.

In Sachsen-Anhalt gibt es vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Eigene Forschung sei für sie oft zu teuer, sagte Willingmann. Deshalb wolle man die Betriebe mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Land zusammenbringen. "Wir wollen die Hochschulen ertüchtigen, damit sie der richtige Ansprechpartner für die Unternehmen sind."

Wichtig seien deshalb zwei Seiten: Einerseits die nötige Infrastruktur an den Hochschulen schaffen und andererseits die Betriebe ermuntern, auch darauf zurückzugreifen. Wenn ein Unternehmen eine konkrete Idee zur Entwicklung eines neuen Produkts hat, soll es sich so einen Partner in der Wissenschaft suchen.

Gehälter werden bezuschusst

Willingmann sieht die Strukturförderung als einen Baustein an, um Wirtschaft und Wissenschaft enger zu vernetzen. Derzeit bezuschusst das Land zum Beispiel Gehälter von jungen Hochschulabsolventen, die von Unternehmen eingestellt werden. Etwa 180 Absolventen haben dem Ministerium zufolge im Rahmen dieses Innovationsassistenten einen Job gefunden. Zudem entstand Ende August ein Netzwerk mehrerer Forschungseinrichtungen, das Unternehmen im Bereich der Digitalisierung unter die Arme greifen soll.

Nächster Schritt ist laut Willingmann eine Änderung des Hochschulgesetzes. "Wir werden die unternehmerische Tätigkeit von Hochschulen deutlich vereinfachen." So soll etwa die Gründung von Start-Ups an den Universitäten besser möglich sein. Ein erster Entwurf des neuen Gesetzes soll Ende des Jahres vorliegen.