Stendal l Es kommt nur selten vor, dass die Fraktionen des Stadtrates gemeinsam einen Antrag stellt. In den Ausschuss für Jugend, Frauen, Familie und Soziales am Montagabend wurde ein solches Ausnahmebeispiel eingebracht. CDU/Landgemeinden, Die Linke-Bündnis 90/Die Grünen und SPD/FDP/Piraten/Ortsteile wollen, dass das Projekt „Stadtteilmanagement“ um zwei Jahre unter der Regie des Vereins „Kinderstärken“ verlängert wird.

Außerdem soll es ab 2018 eine Kinderbeauftragte in der Hansestadt geben. Da es eine ähnliche Position in einer kreisangehörigen Stadt in ganz Deutschland noch nicht gibt, soll der Verein erst einmal herausarbeiten, welche Aufgaben eine Kinderbeauftragte oder auch ein männliches Pendant zu erfüllen hat. Die Einigkeit schien sogar so groß zu sein, dass Jörg Böhme (CDU) vorschlug, auf den Bericht von Vereinsgeschäftsführerin Susanne Borkowski ganz zu verzichten und gleich abzustimmen. Sie kam denn aber doch zu Wort.

Kinderfreundlichkeit vorgenommen

In einer kurzen Präsentation erläuterte sie, was es denn eigentlich bedeutet, wenn Stendal eine „Kinderfreundliche Kommune“ werden will. Dazu gehört, dass sich Kinder, Jugendliche und junge Familien in der Stadt willkommen fühlen. Kinderfreundlichkeit soll in Institutionen deutlich sein und der Leitgedanke in politischen Prozessen. Kinder und Jugendliche sollen außerdem in die Gestaltung ihrer Stadt einbezogen werden.

Die Stadt Stendal hatte sich mit einem Stadtratsbeschluss am 6. Oktober 2014 dazu verpflichtet, den Titel „Kinderfreundliche Kommune“ zu erlangen. Gleichzeitig hatte die Stadt am Förderprogramm Zukunftsstadt teilgenommen, und die dort erarbeitete Zukunftsvision wurde am 11.  April vergangenen Jahres vom Stadtrat beschlossen.

Obwohl damit nicht die nächste Stufe der Förderung erreicht wurde, arbeitet das Zukunftsstadtteam weiter. Darin sind unter anderem Vertreter aller Fraktionen tätig. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Aufgabe einer Kinderbeauftragten nicht ehrenamtlich oder neben der eigentlichen Arbeit erfolgen kann. Deshalb wurde die Verwaltung mit der Prüfung zur Schaffung einer hauptamtlichen Stelle beauftragt.

Die Verwaltung schlägt nun die Erweiterung der Aufgabe des Stadtteilmanagements um den Teil Kinderbeauftragte vor. Die Kinderbeauftragte soll aber nicht nur in Stadtsee, sondern für das gesamte Stadtgebiet, natürlich auch in den Ortsteilen, zuständig sein.

20.000 Euro zusätzlich

„Ich bin auch Mitglied des Zukunftsstadtteams“, sagte Helga Zimmermann (Die Linke). Die Frage sei, wie die Position der Kinderbeauftragten ausgestaltet werden, welche Rechte sie bekommen solle. Die Schaffung der Funktion sei aber auf jeden Fall ein erster Schritt in Richtung Kinderfreundlichkeit.

Christel Güldenpfennig (CDU) hob hervor, dass der Antrag von allen Fraktionen getragen wird. „Vor allem ist mir auch wichtig, dass im Tätigkeitsbereich die Ortsteile explizit genannt sind, denn die fallen sonst sehr oft runter“, sagte die Dahlener Ortsbürgermeisterin.

Dem Verein „Kinderstärken“ wurde vor zwei Jahren, nach einem Wettbewerb, das Projekt „Stadtteilmanagement“ übertragen. Das Projekt war zunächst auf zwei Jahre befristet. Die Frist läuft in diesem Monat ab. Für das Stadtteilmanagement stehen jährlich 45.000 Euro zur Verfügung.

Für die Aufgabe der Kinderbeauftragten werden pro Jahr weitere 20.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Aufgabe soll nur organisatorisch beim Stadtteilmanagement angegliedert werden. „Wir gehen dann erstmal in eine halbjährliche Phase, in der der Verein abschätzen soll, welche Aufgaben die Beauftragte zu erfüllen hat“, erklärte Torsten Mehlkopf, Leiter des Amtes für Jugend, Sport und Soziales. Dann erst sollen das Aufgabenprofil und die konkreten Rechte festgelegt werden. Der Sozialausschuss sprach sich einstimmig für Fortsetzung des Stadtteilmanagements und die Einrichtung einer Kinderbeauftragten aus.

Der Haupt- und Personalausschuss befasst sich mit dem Thema am 25. September, die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat in seiner Sitzung am 9. Oktober.