Das Stadtteilmanagement im Stadtseegebiet soll fortgesetzt werden - allerdings ab Oktober in den Händen eines freien Trägers. Darum hat die Stadt jetzt fünf freie Träger gebeten, ihre Vorstellungen und Angebote zu formulieren. Am Ende entscheidet eine Jury über die Vergabe.

Stendal l Das Stadtteilmanagement im Stadtseegebiet hat sich in den 15 Jahren seines Bestehens etabliert. Anfangs gab es Fördergeld für das Projekt und die dort Beschäftigen, ab 2004 übernahmen zwei Stadtmitarbeiter die Aufgaben, seit 2010 sieht der Stellenplan der Stadt nur noch eine halbe Stelle für das Stadtteilmanagement vor. Doch ans Aufgeben hat die Stadtverwaltung bisher nicht gedacht - und will es auch künftig nicht, versicherte Torsten Mehlkopf, Leiter des Amts für Jugend, Sport und Soziales, am Montagabend während der Sitzung des städtischen Sozialausschusses.

Bis August können Ideen eingereicht werden

Allerdings möchte die Stadt das Stadtteilmanagement in andere Hände übergeben, wenn der jetzige Stadtteilmanager Ende September dieses Jahres ausscheidet. Eine Schließung werde von der Verwaltung ausgeschlossen, erklärte Mehlkopf mit Verweis auf die aktuelle Situation im Wohngebiet, zu der neben einem hohen Anteil an Asylbewerbern und der damit verbundenen Ängste bei einigen Bewohnern auch Kriminalität und Vereinsamung bei älteren Einwohnern gehören. Eine zweite Möglichkeit, die Arbeit fortzusetzen, wäre eine interne oder externe Besetzung der Stelle. Von der Verwaltung favorisiert wird aber Variante drei: die Vergabe an einen freien Träger per Wettbewerb. Der freie Träger könnte durch diese zusätzliche Aufgabe gestärkt werden, zudem "haben freie Träger Netzwerkerfahrungen und besseren Zugang zu Fördermitteln", argumentierte der Amtsleiter.

Post von der Stadt haben das Deutsche Rote Kreuz, die Freiwilligen-Agentur Altmark, der Paritätische, der Internationale Bund und der Verein Kinderstärken bekommen. Bis zum 15. August können sie ihre kreativen Ideen einreichen. Dann entscheidet eine Jury darüber, wer künftig das Stadtteilmanagement im Stadtseegebiet betreut. In der Jury sollen unter anderem Vertreter vom MAD-Klub, Jobcenter, Stadtseniorenrat, der Gagarin-Grundschule, der Kita Märchenland sowie aus Verwaltung und der Kommunalpolitik mitentscheiden. Mit der neuen Trägerschaft soll es ab dem 1. Oktober 2015 losgehen - für vorerst drei Monate, die Vergabe erfolgt mit Option auf die dann folgenden zwei Jahre. Dass es anfangs nur drei Monate sind, hängt mit der Finanzierung zusammen. Denn für die Monate in diesem Jahr stehen noch 13000 Euro zur Verfügung, die für ein anderes Förderprogramm geplant waren, aber nicht benötigt werden.

Als Jahresbudget soll es 45000 Euro geben

Für die dann folgenden Jahre soll ein jährliches Budget von 45000 Euro aus dem kommunalen Haushalt zur Verfügung gestellt werden. Berechnungsgrundlage: Im vergangenen Jahr wurden zirka 60000 Euro dafür ausgegeben, in diesem Jahr sind 47900 Euro eingeplant (wegen der im September auslaufenden Stelle weniger). Die Miete für das Stadtteilbüro an der Adolph-Menzel-Straße (Ladenzeile) zahlt weiterhin die Stadt.

Mit der Vergabe an einen freien Träger verfolgt diese mehrere Ziele, erklärte Torsten Mehlkopf. Eine neue Qualität im Stadtteilmanagement ist eines davon, das Erschließen neuer Ideen eine zweite. "Und wir versprechen uns deutliche Impulse für das Projekt Kinderfreundliche Stadt", sagte Mehlkopf. Zu den Aufgaben des Stadtteilmanagers gehören unter anderem der Aufbau und die Pflege von Netzwerken sowie der Willkommenskultur, die Förderung des ehrenamtlichen Engagements, die Arbeit an der Stadtteilzeitung sowie Integrationsprojekte. Der Stadtteilmanager müsse "der sein, der dort die Fäden in der Hand hält", fasste es Torsten Mehlkopf zusammen.