Magdeburg l Die Tourismuswirtschaft in Sachsen-Anhalt profitiert nicht nur von den Feiern rund um das Reformationsjubiläum. Deutschlandweit nehme der Inland-Tourismus zu, sagte Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) am Mittwoch in Magdeburg. „Um uns herum ist die Welt unruhiger geworden. Die Menschen fokussieren sich wieder darauf, dass das Gute so nah liegt“, erklärte der Sozialdemokrat.

Bereits im vergangenen Jahr zählten Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze in Sachsen-Anhalt rund 7,8 Millionen Übernachtungen. Viel spricht dafür, dass der Rekord in diesem Jahr erneut übertroffen wird. Sachsen-Anhalts Tourismus-Branche verzeichnete zwischen Januar und Juni dieses Jahres bundesweit das größte Plus bei Übernachtungen. Im ersten Halbjahr habe es Zuwächse von 6,5 Prozent gegeben. Das geht aus dem Tourismus-Barometer des Ostdeutschen Sparkassen-Verbandes hervor, das am Mittwoch in der Magdeburger Johanniskirche vorgestellt worden ist. Deutschlandweit betrug das Wachstum im gleichen Zeitraum 3,2 Prozent, in Ostdeutschland 2,7 Prozent. „Wir haben in den vergangenen Jahren konsequent die touristische Infrastruktur ausgebaut und moderne Erlebniswelten für neue Zielgruppen erschaffen“, so Willingmann.

In absoluten Zahlen kamen zwischen Januar und Juni dieses Jahres rund 1,56 Millionen Gäste nach Sachsen-Anhalt, rund 3,73 Millionen Übernachtungen wurden gezählt. Auch wenn das Bundesland Boden gutgemacht hat, besteht noch immer Aufholbedarf: Sachsen zählte in den ersten sechs Monaten 8,85 Millionen Übernachtungen (plus 3,7 Prozent), Thüringen 4,5 Millionen (plus 2,3 Prozent).

Harz als Tourismus-Zugpferd

In Sachsen-Anhalt haben die Regionen landesweit von steigenden Übernachtungs-Zahlen profitiert: Vorne liegt Anhalt-Bitterfeld (plus 15,2 Prozent). Auch das Tourismus-Zugpferd in Sachsen-Anhalt, der Harz, konnte erneut zulegen (plus 5,4 Prozent). Bei den Gästen seien alle Facetten des Landes gefragt gewesen, sagte Michael Zeiner, Mitautor der Studie. Vielen Regionen sei es in den vergangenen Jahren gelungen, Alleinstellungsmerkmale zu schaffen und so bundesweit für Aufmerksamkeit zu sorgen. Als Beispiel nannte Zeiner die Hängeseilbrücke an der Rappbodetalsperre im Harz.

Nur das Wachstum der Anzahl von Touristen aus dem Ausland sei ein deutlicher Effekt des Reformationsjubiläums, erklärte Zeiner. Zwischen Januar und Juni verzeichneten Sachsen-Anhalts Herbergen ein Plus von fast 18 Prozent bei Übernachtungen ausländischer Gäste.

Für die Tourismuswirtschaft im Bundesland käme es jetzt darauf an, die richtigen Schlüsse zu ziehen, mahnte der Präsident des Ostdeutschen Sparkassen-Verbandes, Michael Ermrich. Er sagte: „Ein ‚Immermehr an Gästen‘ kann nicht überall die Lösung sein. Wir müssen uns stärker darauf besinnen, die Wertschöpfung durch den Tourismus zu steigern und die Gäste mit Kundennähe und Qualität zu überzeugen.“ Die gestiegene Nachfrage müsse sich auch in den Kassen der Betriebe niederschlagen.

In Sachsen-Anhalt sind die Zimmerpreise in den vergangenen Jahren zwar leicht gestiegen. Für eine Übernachtung müssen Gäste aber noch immer weniger Geld auf den Tisch legen als im Bundesdurchschnitt. Ermirch sagte, nur durch Investitionen ließen sich Preisniveau und Umsatz steigern.