Magdeburg l Am 22. Juni fegte kurz nach 17 Uhr Sturmtief „Paul“ über Magdeburg hinweg. Er dauerte nur knapp 15 Minuten, hat in dieser Zeit allerdings eine Schneise der Verwüstung durch die Stadt gezogen. Das Besondere an „Paul“: Nicht alle Stadtteile waren gleichermaßen betroffen, und der Orkan kam im Grunde ohne Vorwarnung. „Man wusste zwar, dass es eine angespannte Wetterlage geben wird, aber nicht, in welchem Ausmaß und in welcher Geschwindigkeit“, erinnert sich Magdeburgs Ordnungsbeigeordneter Holger Platz, der heilfroh ist, dass niemand ums Leben gekommen ist.

Kommunikation optimieren

Das Sturmtief hatte sich vor allem in den nördlichen Stadtteilen von Magdeburg ausgetobt und dabei große Schäden an Bäumen im öffentlichen Raum, also in Parks und Straßen, angerichtet. Rund 3000 Bäume fielen „Paul“ zum Opfer, darunter waren 579 Totalschäden. Kosten insgesamt: rund eine halbe Million Euro. An der Schadensbeseitigung, etwa im Stadtpark, wird immer noch gearbeitet.

Für die Feuerwehren, deren Einsatzleitung und die zuständigen Ordnungsbehörden war Sturmtief „Paul“ eine neuartige Herausforderung. „Es war nicht nur das plötzliche Auftreten des Sturms, sondern auch die Entscheidungen, die danach zu treffen waren“, berichtet Holger Platz im Volksstimme-Gespräch.

Wohin zuerst?

Es gingen in sehr kurzer Folge viele Notrufe zu umgestürzten Bäumen, herabhängenden Ästen oder Baumkronen und abgedeckten Dächern bei der Magdeburger Leitstelle ein. „Dabei müssen dann Entscheidungen getroffen werden, wohin die Einsatzkräfte zuerst geschickt werden“, so Holger Platz. „Das hat beim Sturmtief ,Paul‘ im großen und ganzen funktioniert, allerdings waren die Kommunikationsabläufe nicht optimal.“

Prioritätenliste erstellen

In einer Arbeitsgruppe, in der Vertreter aus allen relevanten Ämtern und Behörden in Magdeburg zusammenkommen, sollen unter anderem spezielle Einsatzpläne und Prioritätenlisten entworfen werden. „Wir müssen für so einen Fall festlegen, wo der Einsatz Priorität hat und was gegebenenfalls auf später verschoben werden kann“, meint der Ordnungsbeigeordnete.

Es gehe dabei um Verkehrssicherheit und -fluss, mögliche Probleme der Energieversorgung und natürlich in erster Linie um die Versorgung von Verletzten. „Dazu werden wir genaue Ablaufpläne erstellen, so wie es sie etwa bei Hochwassergefahr gibt“, sagt Holger Platz.

Veranstaltungsausfall

Richtig neu war für die Ordnungsbehörden ein Folgeproblem des Sturms: „Wir mussten viele öffentliche Bereiche wie den Stadtpark, den Nordpark und den Klosterbergegarten komplett sperren, weil dort von herabstürzenden Ästen große Gefahren ausgingen. Das Problem: Im Stadtpark etwa sollte an diesem Abend ein Open-Air-Konzert des Trompeters Till Brönner stattfinden. Das ging natürlich nicht.“

Für Platz ist klar, dass in erster Linie der Veranstalter für die Sicherheit eines Open-Air-Konzerts zuständig ist. „Wir als Ordnungsbehörde schreiten nur ein, wenn gegen Gesetze und Verordnungen verstoßen wird.“

Bei dem Till-Brönner-Konzert sei aber klar gewesen: Wenn der Stadtpark wegen erheblicher Gefahren für die öffentliche Sicherheit gesperrt sei, könne dort auch kein Open-Air-Konzert stattfinden. „Die Entscheidung haben wir dann als Ordnungsbehörde getroffen.“ Um zukünftig möglichen rechtlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, soll in der besagten Arbeitsgruppe genauer festgelegt werden, in welchen Situationen Entscheidungen auch von Amtsseite zu treffen sind.

Für Holger Platz ist es noch wichtig, den Einsatzkräften keine Vorwürfe zu machen. „Die haben gut funktioniert, gut gearbeitet!“ Es gehe aber darum, als Stadt auch auf so einen Notfall wie Sturmtief „Paul“ optimal vorbereitet zu sein. „Folglich können wir aus ,Paul‘ nur lernen.“