Magdeburg l Zuerst kam die Atmung nach links, zuletzt der flache und effiziente Beinschlag: Franziska Hentke vom SC Magdeburg hat mit ihrem Trainer Bernd Berkhahn seit Beginn ihrer Zusammenarbeit 2012 viele technische Details verbessert. Auch das hat sich bei der Weltmeisterschaft in Budapest ausgezahlt: Silber über 200 Meter Schmetterling gewonnen, mit 2:05,39 Minuten nur um 13 Hundertstel an ihrem deutschen Rekord vorbeigeschrammt, die einzige Medaille fürs Beckenteam des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) geholt.

Aber warum ist sie schneller geworden in den fünf Wochen zwischen deutscher Meisterschaft und WM, während andere Kraft und Tempo verloren? Wo liegt das Geheimnis? Bei der Suche nach Antworten geht es nicht um die bevorstehende Zentralisierung des Sports, aber durchaus um das Kraftkonzept. Und um das Grundlegende: Es geht ums Schwimmen.

„Das ist mein zweites Wohnzimmer“, hat Hentke immer wieder über das Höhentrainingslager in der Sierra Nevada (Spanien) gesagt. Immer heißt: seit 2014, seitdem sie dreimal im Jahr über wenigstens drei Wochen in 2300 Metern Höhe ihre Einheiten absolviert. „Aufgrund des harten Trainings mit hohen Umfängen in der Sierra und in der Elbehalle hat Franziska ein höheres Grundniveau als andere in Deutschland“, erklärte Berkhahn zur Entwicklung, die mit Analysen durch das Institut für Angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig begleitet und technisch verfeinert wurde. „Wenn sie ausgetapert ist, fängt sie nicht bei null an, das ist ihr Vorteil.“

Vorbereitung neu gestaltet

Hentke fuhr vier Wochen nach ihrem letzten Höhenaufenthalt zur deutschen Meisterschaft Mitte Juni nach Berlin, schwamm zum Titel in 2:06,18 Minuten und damit unter der von Chefbundestrainer Henning Lambertz geforderten WM-Norm. Zufrieden war sie mit ihrer Zeit trotzdem nicht. „Sie war aber muskulär müde“, blickte Berkhahn zurück. „Deshalb habe ich die WM-Vorbereitung neu gestaltet, sowohl in den Intensitäten als auch im Krafttraining – zielgerichtet und individuell. Das hat gepasst.“ Und das Ergebnis von Budapest gab Berkhahn recht.

Anderen Athleten erging es schlechter: wie Marco Koch. Beim Darmstädter stellt sich die Frage, warum er nicht der geblieben ist, der er bei der WM 2015 war, als dieser geschmeidige Gleiter den Titel über 200 Meter Brust gewann. Koch hat in dieser Saison Probleme mit der Umstellung auf das Krafttraining. „Ich kann die Kraft noch nicht ins Wasser bringen“, sagte er im Juni in Berlin, als er die WM-Norm verpasste, Lambertz auf ihn trotzdem nicht in Budapest verzichten wollte. Dort wurde Koch nur Elfter. Wie sich die neuen Reize auf seine schwimmspezifische Muskulatur auswirken, wisse man erst „im nächsten Sommer“, meinte sein Trainer Alexander Kreisel.

Oder wie Philip Heintz: Der Heidelberger hatte sich ebenfalls im Trainingslager in der Sierra Nevada weniger auf Umfänge, sondern vor allem auf das Tempo konzentriert. Das war beschlossene Sache, noch bevor Ende Februar der Termin für die nationalen Titelkämpfe ausgegeben worden war.

Neuer Plan für Norm-Erfüllung

Heintz hatte damit Erfolg: „Sonst wäre er nicht solch eine exorbitante Zeit geschwommen“, meinte Berkhahn. Bei den Meisterschaften im Juni knackte er seinen deutschen Rekord über 200 Meter Lagen mit 1:55,76 Minuten. Aber in den fünf Wochen zwischen der Qualifikation und der WM konnte er das Niveau nicht halten – er wurde Siebter in Budapest, schwamm 1,67 Sekunden langsamer als in Berlin.

„Ich bin total alle“, sagte er nach seinem Finale. Der Abstand von zehn Wochen zwischen letztem Höhentraining und Saisonhöhepunkt war für ihn zu groß. Und seine Kritik an der Saisonplanung von Lambertz umso größer. Das wird bei der WM-Auswertung der Trainer im September noch einmal diskutiert. Geplant ist dagegen bereits die Qualifikation zur Europameisterschaft in Glasgow (1. bis 12. August 2018): Die Normzeiten dafür, identisch mit den diesjährigen WM-Vorgaben, sollen bei ausgewählten Wettbewerben von Januar bis April erfüllt werden.